Sie kratzten alle Goken zusammen, die sie in ihren Taschen finden konnten. Je höher der Wert - das ist logisch, oder nicht? - des Goken, desto mehr Züge durfte man mit dem Greifarm ausführen. Ob Kupfer-, Silber- oder gar Goldgoken: Brakalasa stopfte alles in den Automaten und angelte trotz mangelnder Geduld (er musste sich sehr auf die Zunge beißen, um manches Mal nicht die Fassung zu verlieren) peu à peu, jedes Spielzeug aus dem Automaten. Ohne zu sehen, an wen er es weitergab, reichte er jedes Tierchen und jede Figur einfach hinter sich. Irgendwer würde es schon an sich nehmen.
"Ähm," räusperte Pony zwischen Brakas Konzentration, "wie sollen wir die eigentlich alle nach Hause bekommen?"
Braka stöhnte, und wäre er nicht dem Spielzeugfischen beschäftigt, hätte er sich gegen die Stirn geklopft. Nein, eigentlich hätte er Pony gegen die Stirn geklopft.
"Also meine Taschen sind groß," grinste Rübe breit und betonte die Weite ihrer Manteltaschen mit den Händen. Cowboy nickte zustimmend. "Die kriegen wir schon unter."
"Zur Not," lachte der alte Cowboy, "hole ich schnell ein paar Koffer oder Taschen aus unserer Hütte."
"Ruhe jetzt!" rief Brakalasa, "ich hab's gleich!"
Alle schwiegen abrupt.
Der Weg nach Hause in ihre Unterkunft war lang und kalt. Jeder von ihnen presste die Spielzeuge so fest an sich, wie er konnte, um nicht nur sich, sondern auch die Figürchen vor der nächtlichen Kälte zu schützen. Rübe hatte sich einige in die Taschen packen können, und in Ponys Rucksack war auch ein wenig Platz. Cowboy und Braka hielten die Gestalten aus dem Automaten einfach fest an sich gedrückt. So konnte auch keines verloren gehen.
In der Hütte war es es mollig warm. Die Flamme im Kamin loderte, das Wasser für ein wärmendes Getränk war aufgesetzt, und die vier Zwerge packten nun alle Spielzeuge auf das ausladende Sofa. Erst jetzt, als all die Wesen beisammen saßen, konnten sie sie ausgiebig betrachten.
"Sind die süß!" rief Pony verzückt.
"Wie niedlich ihr alle seid!" rief Rübe und wollte am liebsten jedes von ihnen herzen und knuddeln.
"Spielzeuge halt," murmelte Brakalasa, der seinen Arm immer wieder schüttelte. Vom Angeln am Automaten war er mittlerweile taub und steif.
Die Spielzeuge riefen, brummten, quietschten, schwatzten, fiepsten und quatschten alle gleichzeitig. Sie hüpften, sprangen, wackelten und winkten. Manche schienen fast zu tanzen, um auf sich aufmerksam machen zu wollen.
"Ich weiß schon, wohin ich gehöre!" rief eines der Wesen mit piepsender Stimme und flog auf und ab, auf und ab.
"Wie heißt du denn?" wollte Cowboy wissen.
"Nur mein Zugehöriger kennt meinen Namen. Und er ruft mich, er ruft mich immerzu!"
Der kleine Vogel, der dies piepsend von sich gab, flog quirlig auf und ab.
"Und wer ist denn dein Zugehöriger?" wollte Braka nun wissen, ganz so, als wäre er froh, wenn er für heute endlich in sein kuscheliges Bettchen könnte.
"Der alte Baum auf dem Felsen!" pfiff das Vögelchen.
"Spitze," murmelte der Cowboy, "hier gibt es ja bestimmt auch nur einen Baum auf einem Felsen."
Rübe puffte ihn leicht in die Seite und sah ihn strengen Blickes an.
"Welcher alte Baum könnte es denn sein?" wandte sie sich an den kleinen Vogel.
"Er wartet auf mich. Er trägt mein Haus bei sich. Und er ist ganz allein. Es gibt sonst keine anderen Bäume, die mit ihm sprechen. Und alle anderen Vögel fliegen im Winter zur Sonne."
"Das wird wohl bis morgen warten müssen," unterbrach Brakalasa die aufgeheizte Stimmung. "Ich bin hundemüde und werde jetzt nicht mehr vor die Tür gehen. Im Gegenteil, ich gehe jetzt nur noch ins Bett. Gute Nacht allerseits."
Und noch während er seinen wehen Arm schüttelte (naja, vielleicht so ein wenig Dramaqueen mäßig), verzog er sich in den oberen Stock und zog die Tür zu seinem Zimmer geräuschvoll zu.
Die anderen drei Zwerge, die noch immer vor dem Sofa mit all den Spielzeugen standen, sahen sich ("Huiuiui, was geht ab?") an und zuckten dann die Schultern. Für sie war klar: Laternen mussten gezündet werden, um den alten Baum auf dem Felsen zu finden. Doch auch Pony gähnte nun leicht, Rübes Augen wurden klein, und Cowboy sank schlapp auf einem Sessel nieder.
Die Wärme tat ihr Übriges zu all dem Fressgelage und der Aufregung dieser Nacht. Noch ehe jemand eine Idee hatte, wo man den Baum suchen sollte, war Cowboy bereits leise schnarchend eingenickt, Rübe im Stehen kurz eingeschlafen, und Pony reckte und streckte sich, gähnte groß und schüttelte den Kopf:
"Sorry, mein liebes Vögelchen, aber jetzt wird das nichts mehr. Wir ziehen morgen früh los."
Er zog noch seine Schuhe aus, ließ sich auf dem zweiten Sessel nieder, sah noch einige Male leicht blinzelnd ins Feuer des Kamins, und war dann seicht eingeschlummert. Rübe genügte es, sich einfach zwischen all die Spielzeuge zu legen. Sie drückte sie sanft an sich, wünschte allseits eine gute Nacht, und war kurz darauf ebenfalls ins Traumland hinübergegangen.
"Und mein Baum?" piepste das Vögelchen leise und ein wenig traurig.
"Ach," brummte es aus der Menge der Spielzeuge, "der hat so lange auf dich gewartet, der kann auch noch einen Tag länger ausharren. Kann ja eh' nicht weg."
So traurig das kleine Vögelchen war, so sehr musste es dem übellaunigen Bärchen zustimmen. Nach all den vielen Jahren im Automaten kam es wohl auf die paar Stunden nun auch nicht mehr an. Es kuschelte sich auf den Kopf des Brummbärchens, wackelte noch einige Male mit den Schwanzfedern, steckte den Kopf unter den Flügel und war ebenfalls eingeschlafen.



Sind die süss! 😍 Unfair das nur Rübe bei den Spielzeugen pennen durfte! 😜
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