"Hier ist es," nickte Rübe den anderen zu.
Cowboy ging voran und rief in die Höhle hinein: "Hallo? Ist jemand zu Hause?"
Pony entzündete ein paar magische Fackeln - nur ein kleiner Taschenspielertrick, aber Licht ist Licht. Sie sahen sich, vorsichtig nach vorne schreitend, neugierig um. Viel zu sehen gab es hier nicht, lediglich nackte Steinwände.
"Haaalllooo! Jemand da? Irgendjemand?"
"Hallo, hallo! Ich bin es! Hallo!" rief das blaue Wesen aufgeregt, und auf diesen Ruf hin ertönte aus dem hinteren, verborgenen Teil der Höhle ein brummendes Grollen, vermischt mit einem Ächzen und einem grummelden:
"Ja, ich bin hier. Momentchen."
Die vier Freunde sahen sich achselzuckend an und stellten sich nebeneinander auf. Erwartungsvoll starrten sie angestrengt in die vor ihnen liegende Dunkelheit der Höhle. Nun waren unterschiedliche Geräusche zu hören: ein Rascheln, ein Schleifen, ein Schlurfen und schließlich ein leiser Rülpser. Dann sahen sie einen riesigen, Schauder einflößenden Schatten an der hinteren Wand, der sich langsam auf sie zubewegte.
"Hallo erstmal! Willkommen in meiner bescheidenen Behausung!"
Allen vier Menschlein fiel die Kinnlade herunter, so groß war ihr Erstaunen wie auch ihre Überraschung. Sie hatten ja schon allerhand magische und märchenhafte Wesen getroffen, immerhin kamen sie aus einem magischen Land. Doch damit hatten selbst sie nicht gerechnet! Vor ihnen stand ein wahrhaftiger Schneemensch, ein waschechter Yeti! Nun ja, also, sofern man das auf den ersten Blick sagen konnte, denn dieser Yeti war...
"Ihr dachtet bestimmt, ich bin größer," grinste der winzige Yeti schief. "Ich tu' aber eigentlich immer nur so." Er lachte. Mit einer Geste bat er die Unbekannten, Platz zu nehmen. Er entzündete eine Feuerstelle, auf die er einen Kessel stellte.
"Tee? Kaffee? Kakao? Hab' alles da."
"Äh... ja, bitte..." Die vier Kleinen stammelten durcheinander, das Erstaunen wollte sich nicht legen. Derweilen war das blaue Wesen schüchtern hinter Rübe hervorgekrochen und sah den Yeti mit seinen großen Augen freudig an.
"Ah!" rief dieser freudig aus. "Da bist du ja endlich, mein lieber Drops!" Die beiden Gestalten fielen sich freudestrahlend in die Arme. Sie waren gleich groß, naja, genau genommen war das blaue Wesen sogar ein kleines Stückchen größer als der Schneemensch.
"Ja, also," begann Braka, der als erstes seine Fassung wiederfand. "Dann erzähl' doch mal ein bißchen von dir."
Nachdem der Yeti, der sich nun mit Polonius vorstellte, ihnen allen heiße Getränke überreicht hatte, kicherte er und erzählte ihnen, was es mit seiner Größer auf sich hatte.
"Eigentlich bin ich Künstler. Ich mache Schnee-Kunst. Das ist ziemlich selten, und ich bin zu einem Meister geworden. Naja, ich leb' ja auch schon lang genug." Gekicher. "Früher war es oft so, das Leute hier in die Berge kamen. Sie unterhielten sich über einen sagenumwobenen Schneemenschen, der riesig und über und über mit Fell bedeckt war. Mit zwei von drei Punkten kann ich dienen, obwohl ich nicht so ganz sagenumwoben bin, wie die Leute oft meinen. Hihihi, aber riesig... naja, seht mich an." Und mit seinen Händen betonte er seine geringe Körpergröße. "Ich dachte mir, ich feuere die Legende um meine Wenigkeit ein bißchen an und erschuf Fußabdrücke. Riesige Fußabdrücke. Die Leute stehen da ja so drauf und sind immer ganz begeistert! Hihihi."
Die vier Zwerge wechselten überraschte Blicke.
"Aber du weißt schon, das die Menschen Angst vor dem Yeti haben?"
Der kleine Schneemensch kicherte wieder.
"Naja, Angst... sie sind neugierig. Immer wieder folgen sie den Spuren. Und es gefällt ihnen."
"Und meinst du nicht, ihnen könnte was geschehen, wenn sie den Spuren folgen? Also Lawinen und so ein Gedöns?"
Der Yeti kicherte. "Natürlich nicht. Ich bin Künstler! Ich gefährde doch nicht meine Fans. Auch wenn sie nicht wissen, das sie meine Fans sind. Hihi."
Für die vier Freunde wurde es Zeit, nach Hause aufzubrechen.
"Ihr habt mir mein Leben versüßt, meine Freunde," verabschiedete sich Polonius von ihnen, das blaue Wesen an der Hand haltend. "Schaut mal wieder vorbei. Ich plane nämlich eine neue Kunstlinie. Mein blauer Schatz hat mich schon zu neuen Ideen inspiriert."
So brachen die kleinen Menschlein wieder zu ihrer Ferienhütte auf, diesmal darauf achtend, nicht in einen kunstvollen Fußabdruck zu stürzen.
Das nächste Spielzeug, das es galt unterzubringen, entpuppte sich als Nussknacker. Sein Hinweis, wo sie seinen Zugehörigen ausfindig machen konnten, klang schmackhaft: Knödel und heiße Suppen. Auch wenn ihnen das erstmal nicht viel sagte, aber eine leibliche Stärkung konnten sie nach ihrer winterlich-kalten Schlittenfahrt durchaus vertragen. Und so packte Pony den Nussknacker in seinen Rucksack, und die vier Freunde machten sich auf in die City - sofern man von diesem winzigen Ort als Stadt sprechen konnte.
Sie klapperten alle Lokale und Restaurants ab, um einen Blick auf die Speisekarten zu werfen. Suppen, sicher, die gab es überall. Aber Knödel nicht. In keinem der drei Restaurants stand diese Leckerei auf der Karte.
Man merkte allen deutlich an, das sie so langsam keine Laune mehr hatten, so hungrig und durchgefroren, noch weiter auf gut Glück zu suchen.
"Ich werde mal ein Sprüchlein tun," sagte Pony, "und schauen, ob ich irgendwas sehen kann."
Rübes Gabe, die geistigen Bilder der Spielzeuge zu deuten, funktionierte nicht. Das lag am Holz. Holz hatte eine andere Erinnerungsstruktur als andere Lebewesen. Und so fuchtelte Pony mit den Händen in der Luft herum, während er leise murmelnd einen Spruch aus seinem schlauen Zauberbüchlein aufsagte. Kleine Funken stoben auf, die Luft flirrte und glitzerte - und puff! - nichts geschah.
"Hmmm, das lief ja super," brummte Cowboy. "Wie wäre es mit altmodischem Suchen, so ganz im Retro-Stil?"
Seufzend nickten die anderen. Als wären sie heute nicht schon genug durch die Gegend gelaufen. Und die Bäuchlein knurrten nun, das es in der ganzen Stadt zu hören sein musste. Die Suche nach dem Zugehörigen des Nussknackers verlief doch vertrackter, als sie dachten. Obwohl das Dörflein klein und scheint's überschaubar war, gab es viele verwinkelte Gassen, die ins Nichts führten - Sackgassen, um genau zu sein.
Nach zwei Stunden Sucherei musste Pony dann mal pullern. Naja, wer nicht? Doch die Suche musste fortgesetzt werden, sie wollten jetzt nicht unterbechen. Und so, auch wenn es sich für ein magisches Wesen nicht wirklich geziemt, erleichterte der kleine Zauberer sich in einer der dunklen Gassen.
Nach einer weiteren Stunde Sucherei nach "Knödeln und Suppen" (wie es der Nussknacker ja ausgedrückt hatte) trat ein weiteres Problem auf:
"Ich brauche jetzt endlich einen Imbiss!" rief Rübe mürrisch, sich den Bauch reibend, und steuerte geradewegs auf einen kleinen Platz zu, auf dem sich ein Imbisswagen befand. Sie bestellten unterschiedliche Speisen, damit jeder von jedem kosten konnte.
"Oh, tut das gut!" schmatzte Pony. "Was für eine leckere Suppe!"
"Und diese Knödel!" schwärmte Rübe begeistert. "So lecker!"
"Hmmm, genial!" nuschelte Braka mit vollem Mund.
Und noch während sie mampften, deutete Cowboy nach oben, in Richtung des Wagendaches. "Mal gesehen?"
Das Schild verkündete:
"Na also," rieb Braka sich die Hände, "und das ganz ohne Zauberei und Brimborium!" Er grinste die anderen an und war der erste, der sich noch einen Nachschlag holte.




Soooo sweet der Yeti! 😍 Wenn ich das Schild sehe, bekomm ich richtig Hunger. Lecker jamm jamm. 🤤
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