Dienstag, 19. Dezember 2023

Kapitel 19: Überfordert

   "Ich weiß auch nicht weiter! Du bist nicht der einzige hier, der damit völlig überfordert ist, weißt du. Und außerdem ist es nervig."
Posch ließ sich auf das Sofa fallen, schlug theatralisch die Beine übereinander und stützte den Kopf in die Hand.
"Ach Schatz," sagte Zander, ließ sich neben ihm nieder und legte einen Arm um seine Schultern. "Ich weiß doch, wie sehr das an deinen Nerven zehrt. Aber irgendwas müssen wir doch tun können - gemeinsam."
Aus dem Neberaum drang eine kindliche Stimme: "Guggi! Guggi! Guggi!"
Posch verdrehte die Augen. "Nicht schon wieder," stöhnte er leise.
"Papa, Guggi, Guggi!" Die Stimme näherte sich den beiden. "Guggi! Guggi!"
"Ja, guggi, ich weiß, ich gucke ja," seufzte Zander.
Das kleine Mädchen sah sie mit großen Augen an. "Guggi?"
Posch zog die Kleine zu sich auf den Schoß.
"Ja, guggi. Was sollen wir denn immer guggi?" fragte er mehr sich selber.
"Guggi!" das Kind klang jetzt richtig ungeduldig. "Gug-gi! Guggi!"
Ratlos saßen die beiden jungen Väter da und waren einfach ratlos. 
"Guggi..."

Es läutete an der Tür. Als Posch öffnete, sah er erst niemanden, doch er hörte eine Stimme sagen:
"Hallo! Wir haben hier jemanden für dich."
Er sah nach unten. Da standen vier kleine Gestalten und lächelten ihn an. Nun ja, einer von ihnen, einer mit schwarzen Haaren, sah irgendwie etwas brummig aus, wie er so auf einem Halm kaute. Doch die kleine Frau, die allen voran stand, grinste ihn offenherzig an.
"Was kann ich für euch tun?" fragte Posch, während einige Meter hinter ihm Zander rief:
"Wer ist denn da, Schatz?"
Posch wandte sich um und rief zurück: "Hier sind ein paar kleine Leute die meinen, sie hätten was für uns!"
Zander näherte sich und sah schließlich dem leicht fülligen Posch über die Schulter. Er erblickte die Zwerge.
"Das sind wirklich sehr kleine Leute," murmelte er in Poschs Ohr. "Sag' ihnen, das wir nichts kaufen und wir auch nichts brauchen."
"Ich werde versuchen, sie abzuwimmeln," zischelte Posch flüsternd zurück.
"Wir können euch hören," grinste Braka breit.
"Japp, mit unserem Zwergengehör."
"Wir sind nämlich Zwerge," nickte Cowboy. "Kommt damit klar." Er zwinkerte.
"Ihr habt etwas für uns?" fragte nun Zander, schwang sich das Küchenhandtuch über die Schulter und setzte eine Unschuldsmine auf.
"Ganz genau," antwortete die kleine Frau. "Vorausgesetzt, jemand hier in diesem Haus sucht einen Guggi."
Die beiden Männer rollten genervt die Augen.
"Bitte nicht ihr auch noch!" ächzten sie im Chor. "Ich kann es nicht mehr hören! Das ist einfach zu viel für mich!" fügte Posch mit dramatischem Unterton hinzu und kehrte ins Haus zurück. 
"Er hat ja recht," flüsterte Zander, sich zu den kleinen Menschen hinunter beugend. "Langsam ist es wirklich zu viel."
Mit einer einladenden Geste bat er die kleinen Leute ins Haus. Er führte sie ins Wohnzimmer, wo nun Posch wie ein Tiger im Käfig auf und ab lief. Die Zwergenfrau stellte sich als Rübe vor, und machte auch die Zwergenmänner bekannt. Sie kramte aus einem Rucksack ein Stofftier, das sie Zander entgegenstreckte.
"Darf ich vorstellen, das ist Guggi, der Fuchs."
"Das ist Guggi? Und ich dachte..." Posch kratzte sich verlegen am Kinn.
Zander nickte.
Aus dem Nebenzimmer kam nun das kleine Mädchen angerannt.
"Das ist unsere Tochter, Emily," stellte Posch die Kleine den Zwergen vor. Sie war nur einen Kopf kleiner als die Winzlinge. Das war schon ein putziger Anblick.
Emily rief voller Freude: "Guggi! Guggi!"
Sie lief ein wenig unbeholfen auf das Spielzeug zu, das Rübe ihr nun überreichte. Sie schloss den Fuchs fest in die Arme. Auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck vollkommener Freude.
"Wir dachten all die letzten Wochen, unsere Tochter wolle, das wir etwas angucken," lächelte Posch verlegen. "Gucken eben."
"Wir dachten, sie will uns etwas zeigen..." fügte Zander hinzu. Seine Wangen erröteten.
Nun nahm Posch seine Tochter auf die Arme, die den Fuchs fest umschlungen hielt. Sie sah die Zwerge an und sagte mit hellem Stimmchen:
"Danke schön! Endlich ist Guggi da!"
Der verwunderte Ausdruck auf den Gesichtern der jungen Eltern war unbezahlbar! Sie hatten gar nicht gewusst, das ihre Tochter noch andere Worte, geschweige denn ganze Sätze sprechen konnte, außer "Guggi". 

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