Mittwoch, 6. Dezember 2023

Kapitel 6: Wieder eine Höhle

 Als sie in ihrer Ferienhütte ankamen, erwarteten die Spielzeuge sie mit großen Augen und erwartungsvoll. Sie riefen wieder - wie üblich - alle durcheinander. Doch eine Stimme setzte sich besonders durch: ein unaufhörliches, meckerndes Gebrumme. 
"Heute nicht mehr!" wehrte Braka mit den Händen ab. "Gönnt' uns einen Moment Ruhe."
"Ich wusste gar nicht, das Zwerge so faul sein können," knurrte die Stimme.
Cowboy war, man merkte es seinem Gesichtausdruck an, schon fast ungehalten, und so zog er sich wortlos in die Küche zurück, um einen Tee aufzusetzen.
"Ich ein Bier! Danke!" rief Braka ihm hinterher.
Es war spät, bis die vier Freunde sich ins Bett legen konnten. Sie saßen noch eine Weile beisammen, still, und dachten an Borsi und hofften, das er nun mit Schnubi noch ein wenig Freude und Glück finden möge.

"See! Eis!"
"Ja, schon klar," brummte Cowboy, das sagtest du bereits gestern."
"Mehr fällt dir wirklich nicht ein?" hakte Braka nach, der das Bäumchen kopftkratzend ansah.
"Ähm, Leute," warf Pony ein, "etwas weiter unten im Tal ist ein See. Zugefroren, also vereist."
"Ja dann," rief Rübe, "warum stehen wir hier noch so rum? Auf geht's!"
Ab in die warmen Klamotten, und den Schlitten gesattelt - sozusagen.
"Ich komm' mit!" rief die brummige, maulige Stimme eines leicht derangierten Teddybärs.
"Wieso solltest du?" fragte Braka.
"Ich bin als nächster dran. Is' ja hier nich' mehr auszuhalten."
Rübe nickte mit einem Augenzwinkern, Pony grinste und Cowboy zuckte die Schultern. Also packten sie den Brummbären auch noch ein, und sattelten - jetzt wirklich - den Schlitten, und ab ging's das Tal hinunter. Ein strahlender, eisigkalter Wintertag erwartete sie, und der schneidende Fahrtwind bescherte ihnen glühende, rote Wangen. Schon nach kurzer Zeit konnten sie in einiger Entfernung den See ausmachen. In der Tat war er zugefroren, und das war ja nun auch nicht verwunderlich. In der Nähe stand ein Zelt, auf das sie nun, etwas schlingernd, da die schneebedeckten Steine sie wieder aus der Bahn zu werfen versuchten, zurasten.
"Feeeesthaaaalten!" rief Pony und lenkte seine gesamte Konzentration auf den Schlitten, damit sie nicht wie einige Tage zuvor wieder im Schnee landeten. So ganz packte er den sauberen Stopp nicht, sie streiften noch einen der Bäume, der beim See stand, und wurden so abgebremst. Mit einem derben Ruck hielt der Schlitten an, und sie wurden nach vorne geschleudert. Doch diesmal blieben sie im Gefährt sitzen. Na, das war doch schon mal ein Anfang (auch wenn zwei von ihnen nun etwas Nackenschmerzen hatten).
"Da! See! Zelt!" rief das Bäumchen jetzt aufgeregt und machte riesengroße Augen, die vor Freude strahlten.

Vor dem Zelt stand eine Frau, die augenscheinlich Schlittschuhe verkaufte oder verlieh. Als sie die Zwerge auf sich zukommen sah, tat sie einige Schritte auf sie zu, ging wieder zurück, trat wieder vor und kam ihnen schließlich, schneller werdend, entgegen gelaufen.
"Tanny!" rief sie. "Tanny, bist du es wirklich?" Und noch ehe sie die vier Freunde begrüßte, öffnete sie die Arme, um das plüschige Tannenbäumchen an sich zu nehmen und fest zu umarmen.
"Margu! Margu! Große Freude!" quietschte das Bäumchen vergnügt.
Die Frau knuddelte und drückte das Tannenbäumchen an sich, und schaukelte es in den Armen hin und her.
"Wer auch immer ihr seid, ihr habt mir das schönste aller Geschenke gemacht!" sagte sie, nun an die kleinen Menschlein gewandt. Sie winkte sie hinter sich her, während sie zurück zum Zelt ging. Sie bat die Kleinen, sich zu setzen, kredenzte ihnen eine Runde heißen Kakao mit Sahne, und seufzte überglücklich.
"Schon so lange habe ich von Tanny geträumt. Immer wieder erschien sie mir in meinen Träumen, und ich konnte mit ihr über alles sprechen. Auch wenn ich hier nie wirklich alleine bin, so werden die Tage und Abende doch sehr lang, so ganz ohne Gesellschaft."
"Und kalt, denke ich mal," zwinkerte Braka.
"Ja, sehr kalt," lachte Margu. "Ich wusste, das irgendwo mein kleines Tanny wartet, aber ich hätte nie gewagt, meinen Träumen zu folgen und sie zu suchen. Es waren nur Träume, dachte ich."
"Wieso habt ihr so eine starke Verbindung?" fragte Pony, der immer neugierig war, wenn es um Magie ging.
Margu sah Tanny liebevoll an. 
"In meinen Träumen bin ich ein Baum," sagte sie leise und drückte das Bäumchen wieder fest an sich.
Rübe nickte und auch den anderen ging ein, warum die beiden zusammen gehörten.

"Jetzt geht's in den Wald," brummte der übellaunige Bär, als sie zurück beim Schlitten waren.
"Wald? Wo ist denn hier ein Wald?" kratzte der Cowboy sich am Kinn.
"Den werden wir schon finden," lachte Pony und konzentrierte sich nun wieder darauf, den Schlitten zum Schweben zu bringen.
Rübe derweil suchte eine geistige Verbindung zum Brummteddy, damit er sie zu seinem Zielort würde leiten können. Das stellte sich als schwieriger raus, als mit einem Drachen Kontakt aufzunehmen, denn dieser Teddybär war so ein richtiger Sturkopf und gab scheint's nichts gerne freiwillig preis. Nicht mal um seines eigenen Glückes Willen. Und so war Rübe dann auch nach einiger Zeit wirklich genervt von diesem mieslaunigen Gesellen. Aber sie gab nicht auf, versuchte die spärlichen Bilder, die sie von dem Spielzeug empfing, zu manifestieren und festzuhalten, um Pony den Weg zu beschreiben. Denn so fies der Stoffbär auch erscheinen mochte, er war doch viele Jahre einsam gewesen und brauchte ihre Hilfe. Da musste sie eben über ihren eigenen Schatten springen, auch wenn sie sonst mit Griesgramen nichts anfangen konnte.
Es mochte eine gute Stunden verstrichen sein, als sie tatsächlich -
"Da vorn!" rief Braka. "Der Wald!"
- einen Wald erreichten. Pony verlangsamte den Schlitten (etwas zu schnell, auch wenn es paradox klingen mag, und so ruckten sie wieder alle nach vorn, doch diesmal ohne Nackenschmerzen) und brachte ihn rasch zum Stillstand. Der Wald war so dicht, das es unmöglich war, hier mit einem Schlitten durchzugleiten. So begannen sie den Fußmarsch. Nicht ungewöhnlich für Wälder - wer schonmal in einem solchen Forst war, wird das kennen - ist der Umstand, das es hier immer wesentlich dunkler ist. Und so war es mit einemmal Nacht. Und das am Morgen. Noch so ein kleines Paradox, und Rübe grinste. Sie liebte sowas.

"Ich empfange etwas," sagte sie, nachdem sie bereits eine ganze Weile über den frostigen Waldboden spaziert waren, der mit gefrorenen Blättern und Zweigen stetig knackende Laute unter ihren Füßen von sich gab.
"Da musst du nix empfangen," maulte der Bär.
"Nicht von dir," murmelte Rübe unwirsch. "Psst jetzt alle." Sie verharrte und schloss die Augen.
"Was siehst du?" flüsterte Pony.
"Eine Höhle," sagte sie und sah die Jungs der Reihe nach an. 
"Oh, schon wieder eine Höhle?" stöhnte Cowboy.

Während Rübe zielstrebig den kleinen Trupp anführte, hielt Brakalasa gaaanz unauffällig Ausschau nach Pilzen. Nicht umsonst war er der Pilzebub.


1 Kommentar:

  1. Ich mag Margu! Hoffentlich hört man wieder mal was von ihr!

    Cute wie Rüber den grummeligen Teddy in den Armen hält. Und Pilzebub kenne ich gar nich anders! 🤭

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