Rübe stand schon eine Weile hinter ihm, doch erst jetzt räusperte sie sich leise. Der alte Cowboy schreckte herum, sah sie schief grinsend an und zuckte die Schultern. Eine häufige Geste.
"Wir haben eine kleine Krake," deutete Rübe auf den kleinen Oktopoden, der lässig an der Sofalehne klebte.
"Jaaa, weiß ich doch. Aber auf dem Kopf? Auf welchem Kopf?"
Rübe pflückte die Krake regelrecht vom Sofa. Sie saugte sich sofort auf ihrer Handfläche fest.
"Also ich sehe schwarz und weiß. Es ist ein Tier. Ein schwarz-weißes Tier."
"Da kann es doch hier nicht so viele geben," grübelte der Cowboy leise brummelnd. "Gibt es sonst noch einen Hinweis?"
Rübe nickte. "Es lebt im Eis. Es schlittert und taucht."
Cowboys und Rübes Blicke waren angestrengt auf die winzige Krake gerichtet.
"Ist ein Pinguin," schmatzte Braka hinter ihnen und biss genussvoll in sein Brötchen, das es krachte und einige Krümel abblätterten.
"Wärt' ihr auch noch drauf gekommen," mampfte Pony nun, und klatschte sich mit Braka ab. Cowboy und Rübe sahen sich an, eine Mine machend als hätte man sie auf frischer Tat ertappt.
"Ja, klar, ein Pinguin!" rief Cowboy zerknirscht. "Hätte ich jetzt auch gesagt."
Blblblblblrrrrrrlblblbllquiiieeetschblblblbllb (Das typische Geräusch eben, das eine Kassette machen würde, wenn man sie zurückspult.)
Die Spielzeuge saßen oder lagen den ganzen vergangenen Tag zusammen und rätselten. Die Aufgabe war herauszufinden, warum manche so gerne Kekse mögen, und andere nicht. Es war ein sehr, sehr schwieriges Rätsel, denn keines der Spielzeuge hatte je einen Keks gegessen. Und wie auch? Hey, sie waren Spielzeuge! Sie waren aus Plüsch oder Plastik, aus Stoff oder Gummi. Sie mussten gar nicht essen. Und von Keksen an sich hatten sie auch erst gehört, seit sie die Zwerge aud dem Spielzeugautomaten befreit hatten. Zudem war es unfair, das sie jetzt, also ihre Gruppe, dieses Rätsel lösen sollten, und die anderen, die bereits bei ihren Zugehörigen waren, damit nix mehr am Hut hatten.
Doch sie grübelten und dachten angestrengt nach. Es schien keine Lösung zu geben, keine Antwort - so gut manche Ideen auch waren - war gut genug. Ob sie jemals erfahren würden, warum manche so gerne Kekse aßen?
Blblblblblrrrrrrlblblbllquiiieeetschblblblbllb
Und da waren sie nun: ein eisiges Wasser, eisige Berge und Hügel (ja, Cowboy stöhnte geistig einmal mehr), und Pinguine. Ach ja, genau! Pinguine! Ein wenig mehr Begeisterung bitte! Denn immerhin befanden wir uns hier ja in Wardrobia und nicht am Südpol.
Die kleine Krake in Rübes Hand - bis hierher hatte sie sie nicht losgelassen - begann nun hastig, ihre Saugnäpfe zu lösen. Sie drehte sich seicht hin und her, und es war klar, das dies ein eindeutiges Zeichen ihrer Aufregung war.
Die kleine Gruppe Pinguine (es waren um die zehn oder zwölf) näherte sich ihnen neugierig. Doch eines kam rasch und immer schneller werdend auf sie zugewatschelt.
"Plumm!" krächzte der Vogel aufgekratzt.
"Urschu!" rief die kleine Krake und hüpfte nun auf und ab in Rübes Hand.
"Plumm!" Der Pinguin rannte mittlerweile; seine Sippe folgte langsamer, erhöhte jedoch ebenfalls das Tempo.
"Urschuuu!" Die Krake wäre fast von Rübes Hand gesprungen, doch der Pinguin war schneller. Mit einem Satz landete die Krake nun auf des Pinguins Kopf, saugte sich fest und nahm einen Gesichtsausdruck an, der pures Glück und Freude verhieß. Die Pinguin-Gruppe hatte nun aufgeschlossen und sich hinter Urschu versammelt.
"Wollt ihr sehen, was wir können vollbringen so gemeinsam?" fragte Urschu mit heiterem Gesicht. Ihr Schnabel sah aus, als würde sie lachen.
Klar wollten die Zwerge das sehen!
Urschu watschelte auf eine verschneite Anhöhe, trat einige Male auf der Stelle, peilte einen Punkt an, ließ sich schließlich fallen und rutschte auf dem Bauch in das eisige Gewässer. Plumm, die Krake, löste sich in dem Augenblick, da der Pinguin untertauchte, schwamm kopfunter synchron zu Urschus Bauch. Kurz bevor sie das andere Ufer des Teiches erreichten drehten sich beide einige Male, die Krake setzte sich wieder auf Urschus Kopf, und mit einem kunstvollen Sprung landete der Pinguin wieder an Land. Beide streckten alle Arme - beziehungsweise Flügel - aus, standen wie eine Eins und verbeugten sich.
Die Zwerge klatschten. Und auch die Pinguine konnten sich nicht zurückhalten: das war allemal einen Applaus wert!
"Können wir noch mehr!" lachte Urschu, und Plumm drehte sich auf ihrem Kopf.
Plumm stellte sich auf alle Tentakel, Urschu balancierte einen Moment von einem Bein auf das andere. Dann vollführte sie einen Salto, so das am Ende die kleine Krake auf ihren in die Höhe gestreckten Füßen saß. Doch damit nicht genug, sie drehte und wandt sich, und Plumm folgte jeder ihrer Bewegungen mit Leichtigkeit, stets auf ihren Armen stehend.
"Tadaa!" riefen Urschu und Plumm gleichzeitig.
Wieder erhielten sie Applaus.
"Ich sehe schon", murmelte Braka voller Respekt den anderen zu, "sie sind glücklich."



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